#Standpunkt

Symmetrie der Aufmerksamkeit: Was wäre, wenn Personalabteilungen Organisationen in Bewegung setzen könnten?

10/10/2023
Wie weit entfernt sind wir doch von den Zeiten, als ein Mitarbeiter seine Karriere in einem Unternehmen begann und sie dort auch beendete! Die extreme Mitarbeiterfluktuation zwingt Unternehmen heutzutage dazu, einen Teil ihrer Personalstrategie auf Marketing auszurichten. Das kommt den Mitarbeitern zugute, bietet aber auch Chancen, die Personalverantwortliche nicht verpassen sollten.

Die extreme Fluktuation der heutigen Mitarbeiter zwingt Unternehmen dazu, einen Teil ihrer HR-Strategie auf alle verfügbaren digitalen Tools (Twitter, LinkedIn, Instagram, Portale, Videos, HR-Informationssysteme usw.) auszurichten. Dies ist notwendig, um den Bedürfnissen informierter und anspruchsvoller Mitarbeiter sowie potenzieller Kunden gerecht zu werden.

Diese Strategie kann als Marketingansatz betrachtet werden, der darauf abzielt, die Gewohnheiten interner Kunden zu identifizieren und ihnen zunehmend personalisierte Erlebnisse zu bieten.

Die Personalabteilung heißt jetzt „Personalmarketingabteilung“…

Das von Vineet Nayar ab 2010 entwickelte Konzept der Aufmerksamkeitssymmetrie lässt sich auf der Ebene des Personalwesens als die Fähigkeit einer Organisation übersetzen, ihre Mitarbeiter im Detail zu kennen, um sie gezielt anzusprechen, ihre Bedürfnisse bestmöglich zu erfüllen und sich so einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

TEDxAix – „Mitarbeiter zuerst, Kunden an zweiter Stelle“ – Vineet Nayar

Dieses Konzept führt zu einem grundlegenden Wandel der Rolle der Personalabteilung. Von einer administrativen Funktion entwickelt sie sich hin zu einer operativen Position. Sie wird zu einer Art HR-Marketingabteilung, die die Erwartungen und Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden antizipieren und schnell und effektiv darauf reagieren kann.

Dieser Wandel wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Dadurch erhält die Personalabteilung ein differenzierteres Verständnis der Arbeitsweisen ihrer Mitarbeitenden, um diese besser zu segmentieren und die Herausforderungen zu meistern: Talente zu gewinnen und zu binden, aber auch neue Kompetenzen zu entwickeln, die die Unternehmensstrategie optimal unterstützen.

…UND DAS UNTERNEHMEN WURDE ZU EINEM "VERDERBLICHEN" PRODUKT, WIE JEDES ANDERE.

Die Personalabteilung verfolgt einen innovativen Ansatz, indem sie digitale Strategien aus der Privatwirtschaft integriert und an das berufliche Umfeld anpasst. Sie nutzt sowohl soziale Medien als auch die Datenstrukturierung mithilfe zentraler HR-Tools, die sich zu Systemen für das Mitarbeiterbeziehungsmanagement (ERM) weiterentwickeln werden.

Dieser Wandel führt dazu, dass „Mitarbeiter-Kunden“ bzw. „Kandidaten-Kunden“ das Unternehmen als ein vergängliches Produkt wahrnehmen.

Ein vergängliches Produkt, das sich durch Marketing differenzieren muss, das ein Gefühl der Verbundenheit mit neuen Werten fördert.

Ein vergängliches Produkt, das vom „Kandidaten-Kunden“, der nun Mitarbeiter ist, regelmäßig gekauft werden muss, damit sein Kaufimpuls langfristig aufrechterhalten wird – durch die Überzeugung von Folgendem:

  • Sinn im Alltag durch Engagement finden
  • Von neuen, personalisierten Anwendungen und Services profitieren
  • Sich wertgeschätzt und anerkannt fühlen
  • Diese Anerkennung unmittelbar erleben
  • Sicherstellen, dass das Produkt stets den Bedürfnissen entspricht und die erwartete Freude bereitet

VOM MANAGER ZUM GEMEINSCHAFTSMODERATOR…

Neben der Gewinnung von „Digital Natives“ müssen Unternehmen diese auch binden und in die Belegschaft integrieren. Besonders interessant ist der tiefgreifende Wandel, den dies für Managementteams mit sich bringt.

Die Rolle des Managers befindet sich aktuell in einem Transformationsprozess. Wir entwickeln uns schrittweise vom allwissenden Manager zum Community-Facilitator, der Werte wie Leistung, Teamentwicklung und den Austausch von Informationen und Erfahrungen verkörpert.

… UND DIE ANFÄNGE DER LERNORGANISATION!

Die Arbeitsmethoden werden zunehmend kollaborativer und verändern die Beziehung zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden. Der Fokus verschiebt sich von Einzelgesprächen hin zu den Netzwerkfähigkeiten der Mitarbeitenden.

Diese kollaborativen Methoden werden in die Betriebsabläufe integriert und bieten Möglichkeiten, Best Practices auszutauschen, unmittelbare Bewertungen durchzuführen und Feedback auf Basis gewonnener Erkenntnisse einzuholen. Die Grundlagen für eine lernende Organisation werden gelegt.

TEDxWilmingtonED - « The (Emerging) Science of Learning Organizations » - Benjamin Riley

DER MITARBEITER IST ZUM "KÖNIGSKUNDEN" GEWORDEN

Dieser Wandel fördert neue Ansätze. Wir bewegen uns daher abrupt hin zu Leistungsbeurteilungen, die kollaborative Kriterien und Wissensaustausch einbeziehen und weit über operative Rollen hinausgehen. Die Logik des Beitrags zum Kollektiv gewinnt wieder an Bedeutung und schafft die Voraussetzungen für die Entwicklung einer lernenden Organisation.

Der „Mitarbeiter-Kunde“ erwartet jedoch auch, als „einzigartiger und außergewöhnlicher Kunde“ behandelt zu werden. Die Fähigkeit der Personalabteilung, ihm „relevante Beratung“ und neue personalisierte Dienstleistungen anzubieten, wird ein entscheidender Faktor für die Förderung seiner Loyalität sein.

Wir lassen das 20. Jahrhundert endlich hinter uns…

Eine Chance für Personalmanager, die Kontrolle zurückzugewinnen… und für frischen Wind zu sorgen!

Während die Personalabteilung weiterhin im rechtlichen Rahmen agiert, wie es die französische Kultur vorgibt, integriert sie zunehmend die Dimension des „Beitrags zur Unternehmensleistung“.

Personalabteilungen werden immer technologieaffiner und treiben den Wandel voran.

Personalverantwortliche haben akzeptiert, dass kollaborative Arbeitsmethoden ein fester Bestandteil sind. Sie stellen das Unternehmen und seine Praktiken in Frage. Sie bieten ihm die Möglichkeit, sich kontinuierlich an die kulturellen Veränderungen seiner Mitarbeiter anzupassen und somit dynamisch zu bleiben! Gegenseitige Aufmerksamkeit ist einer der wichtigsten Hebel – und darf nicht vernachlässigt werden!

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